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Hertha

wir wärn dann mal wech
Ich hatte gehofft, wir machen es noch einmal spannend für den letzten Spieltag 2009/2010. Es hat ja auch nicht viel gefehlt, aber es hat halt auch nicht sollen sein. Selten einmal hat diese abgewichste Floskel so gut gepasst, wie in dieser verwunschenen Saison. Nein, der Fußball-Gott hat wohl etwas anderes, größeres mit uns vor. Daran denkt man in jenem Augenblick, in dem die Tragödie ihren Höhepunkt erreicht, natürlich nicht. Dazu war die Gegenwart dann doch zu niederdrückend.

Ich war zum ersten Mal in Leverkusen und ich muss gestehen, ich kann mir schlechtere Orte denken, um abzusteigen. Vor allem, weil Leverkusen so nah bei Köln liegt; da, wo der Klüngel herkommt. Bei einem sattsam bekannten Klüngelanten hatten wir Quartier bezogen, um der alten Dame das vorletzte Geleit zu gewähren. Was für ein Kontrast: Letzte Saison waren wir ebenfalls dort, um einen Hertha-Sieg zu feiern, der alle Hoffnungen auf grandiose Zeiten in sich barg. Und nun das!
Unser honoriger Gastgeber, mein oft besungener Kölner Kumpel und FC-Fan, hat seinem Ruf als tadelloser Gastgeber mal wieder alle Ehre bereitet, auch wenn er es sich nicht verkneifen konnte, beständig in der Abstiegswunde zu bohren. Es sei ihm verziehen, er glaubt ja nur, dass er alles hinter sich hätte.

Nun zu unserem Drama, stenomäßig, in aller Kürze. Ich zähle nicht jedes einzelne Kölsch auf, aber wir haben es uns trotz allem gut gehen lassen.
:P 8) :P

Freitag Anreise, voller Hoffnung bzw. in angespannter Erwartung. Nach einem Kneipentingeltangel rund um Barbarossas Platz ins Blue Shell, wie im letzten Jahr. Sogar dieselbe Combo spielt auf, Murmeltier lässt grüßen. Ich kann nicht mehr, begebe mich zeitig ins Körbchen. Der Rest folgt seinen diversen Trieben.
Köln, 1. Mai, am Vormittag. Die Kollegen noch alle am pennen, geh’ ich mal Brötchen holen. Draußen richtig warm, gar nicht so, wie im Wetterbericht angedroht. Zum Frühstück Rührei und, na klar, Kölsch geräuchert. Der Kölner Kumpel weist uns den Weg: „Zum Hauptbahnhof, dann mit der Regionalbahn nach Leverkusen.“ Das sollte machbar sein. Er selbst geht zum FC, die haben Freiburg zu Gast. Sein Treffpunkt heißt Stadionkneipe Doping – dazu später mehr.
Am Bahnhof lungern die ersten Herthaner, Leverkusener, Kölner, Freiburger herum. Unser Zug bunt gemischt, blau-weiß und rot-schwarz. Sogar Erste Klasse, mit Raucherlounge und Feuchtsitz. Nicht jedermanns Sache, aber so ist Fußball eben auch. Nach einer halben Stunde Fahrtzeit erreichen wir Leverkusen. Rechte Hand könnte das Chemiewerk sein, links ein Park, durch den wir in langen Kolonnen zum Kampfplatz zuckeln. Ab und an verschwindet jemand im Unterholz, um sich zu erleichtern. Alles sehr idyllisch, wie gesagt, anderswo wäre absteigen unschöner.
Dann das Stadion, die BayArena. Genug Platz, reichlich Geld, dann kann man sich so ein Teil locker hinstellen. Nur Bier muss man suchen. Wir finden es irgendwann und hocken uns an einen lieblichen Hang, unten blubbert ein Flüsschen, am Ufer wuchert üppiges Grün, neben uns hat sich der OFC Hertha-Hippies ins Gras gepflanzt. Tach und Hallöchen allerseits.
Kurz nach 15 Uhr, nun aber los. Ins Stadion kein Problem, drinnen muss nur eine Verzehr-Card (5 Euro Pfand) organisiert werden. Lohnt sich kaum, die Plörre schmeckt wie Tante Käthes gesammelte Spuckereste. Drinnen empfängt uns das Stadion mit Chemiegiganten-Schick, der Hertha-Block ist prall gefüllt – olè!
Als Raffael trifft, kennt der Jubel keine Grenzen. Bremens Tore sorgen für Heiterkeit, die von Bayern ebenfalls. Hannovers Sturmlauf verwundert, Nürnbergs Klatsche ebenfalls. Soweit alles im Lot. Ernüchterung, als der andere Friedrich trifft. Drobny rettet mehrmals spektakulär, Gekas & Co. versieben sämtliche Riesen. Am bittersten, als Ramos in letzter Sekunde durchmarschiert, seinen Querpass aber keiner verwerten mag. Abpfiff.
Heulende Herthaner, muss an meinen ersten erlittenen Abstieg denken. Wir versuchen uns mit müden Scherzen aufzurichten. Der Tross der Loser quält sich durch den Park Richtung Bahnhof zurück. Die Leverkusener haben auch nichts zu feiern, sind mal wieder auf den letzten Metern gestrauchelt. Plötzlich kommt Bewegung rein, ein paar Herthaner halten die behelmten Einsatzkräfte auf Trab. Interessiert nicht wirklich.
Zurück in Kölle erstmal inne Kneipe. Endlich wieder richtiges Kölsch. Wir stellen erfreut fest: es perlt! Ja, perlen muss es, dann ist es gut. Nach üppiger Verköstigung und reichlich Perlung ins Quartier, ausruhen für den abendlichen Abtörn.
Der Kölsche ruft an, offenbar mit schwerer Schlagseite: „Wo seid ihr?“ „Bei Dir!“ „Ich komme dann mal.“ Halbe Stunde später klingelt’s wieder: „Wo seid Ihr denn?“ „Na, immer noch bei Dir!“ „Dann komme ich mal.“ Zwanzig Minuten später, wieder bimmeln: „Besser, ihr kommt zum Barabarossa Platz.!“ Wir hin, aber dort kein bekanntes Gesicht. Anruf: „Also, wir sind jetzt am Barbarossa Platz.“ „Wooo sseit ihr???!!! Ich dachte, wir treffen uns bei mir zuhause. Ihr Arschlöcher!!“
Wir haben uns dann doch noch getroffen. Im Tsunami-Club. Fünf Bands für zehn Euro, oder so. Während der dritten Band kommt es zum Eklat, in dessen Verlauf unser besoffener FC-Kollege des Tsunami verwiesen wird. Es gab da wohl einige Beschwerden. Wie?? Kann gar nicht sein?! Wir üben uns in Solidarität, is ja schließlich 1. Mai.
2. Mai, Tag der Abreise. Nüchtern wird auch dem letzten klar: au weia, das war’s erstmal. Also schnell ins Früh, mit Kölsch tut’s nur halb so weh. Im Zug ist Schluss mit feuchtfröhlich, es gibt keinen Mitropa an Bord. Wir skandieren: „UND IHR WOLLT UNSER SPONSOR SEIN!“
:'( \:| 8)

Posted by egmonte on 6 May 2010 at 23:01
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:) :( :D :S 8) :\'( :@ :O :P
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