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Hertha

Geht das etwa schon wieder lohoos?
Die mausgraue Winter-WM ist abgehakt, das Augenmerk gilt nun wieder dem sonnigen Alltag und der heißt, täterätääääää – Hertha BSC!!!!
Vor der Saison ist der Spielplan, und der ist längst raus. Zum Auftakt kommt RWO, was für ein geiler Heimevent. Nur nebenbei: Ganz in der Nähe, in Bottrop, wuchs mein Vater auf. Ein Kind des Ruhrgebiets, aber zum Glück kein Schalker, obwohl das unserer Beziehung vielleicht ganz gut getan hätte. Am ehesten war er noch Gladbacher, aber nur bis in die späten 70er. Im Grunde ist mein alter Herr ein klassischer TV-, Radio- und Zeitungsfußballjunkie. Weiß gar nicht, ob er je im Stadion war – zu Hertha geht er jedenfalls nicht. Bezeichnenderweise bin ich das erste Mal an der Hand meines Onkels zum Olympi gepilgert, mein Vadder hat sich dafür nie hergegeben. Später hat mich ein Bekannter meiner Mutter mitgenommen, der für irgendeine Publikation geschrieben hat, jedenfalls saß ich auf der Pressetribüne. Unterring, wohlgemerkt. Letztes Saisonspiel 1974/75, gegen den VfL Bochum. Ein Sieg, die Vizemeisterschaft, nur den Jubel am Ende habe ich verpasst, weil der Bekannte sein Auto rechtzeitig vor dem Abpfiff aus illegaler Parkerei entfernen musste, bevor das Muschelkalkoval die blauweiße Meute wieder ausspuckte. Seitdem bin ich auf eigene Faust zu Hertha gegangen.

Letzten Montag war ich beim Saisonauftakt im Amateurstadion, erstmals mit meinem eigenen Sohnemann. Der Knabe ist dreieinhalb und wollte nach einer Viertelstunde wieder gehen. Spannender als die versammelten Ballsportler fand er die kleinen Steinchen und Stöckchen auf den Pfaden des Olympiaparks, weshalb unser Aufenthalt sich dann doch etwas hinzog. Fußballspezifisch haben ihn am ehesten noch die brutzelnden Rostbratwürste interessiert, eine habe ich spendiert, nur Senf wollte er nicht. Auf seine Meinung zu Babbel und Co. werde ich noch ein wenig warten müssen. Dafür habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass er bei der nächsten WM schon zur Schule geht.

Hoffe nur, dass Hertha bis dahin wieder erstklassig spielt. Ein Jahr 2. Liga ist ja schön und gut, aber dann würde es wahrscheinlich nervig werden. Überrascht war ich, dass so viele Neugierige den Weg zum Auftakttraining gefunden hatten. An einem Montag, immerhin. Überhaupt meldet Hertha mehr Eintritte als Austritte. Auch bei HERTHAUNSER blicken wir nicht ohne Verwunderung auf eine rasante Aufwärtsentwicklung bei den Mitgliederzahlen. Aber wie orakelt meine Mutter immer so schön: „Alles hat seinen Sinn, nichts geschieht ohne Grund!“ Das wird bei olle Hertha nicht anders sein. Zu irgendwas muss dieser vermaledeite Abstieg ja auch gut sein.
:'( :S 8)

Zurück zum Auftakttraining. Von den Spielern habe ich aus bekanntem Grund nicht allzu viel sehen können, aber bei Raffael-Bruder Ronny musste ich schon ein bisschen schlucken, obgleich ich geschätzte 75 Meter entfernt von ihm auf der Tribüne postiert war. Der soll ja ein anerkannter Sportsmann mit ordentlichem Bumms sein, erinnert figürlich allerdings eher an ein Fass Export-Bier. Ich bekam beim Anblick seiner Plauze augenblicklich einen tierischen Brand und musste an den Ex-Hertha-Ösi Ernst Ogris denken, den die damalige Vereinsführung eigentlich für seinen Bruder Andreas hielt. Behaupten jedenfalls liederliche Läster-Zungen. Ich hatte selbst einmal Gelegenheit, ihn zu dieser Verwechslungsposse zu befragen. Das sei Unsinn, hat der Ernst mir versichert, er sei sogar bei Bayern München im Gespräch gewesen. Im Übrigen sei Berlin eine wunderschöne Zeit gewesen und ich solle doch, bittschön, dem lieben Mike Lünsmann ganz herzliche Grüße ausrichten, er würde gerne mal mit ihm im Kaffeehaus versacken. Ich habe es versprochen, aber den lieben Mike bis heute leider nicht getroffen. Zuletzt hat er meines Wissens für den SCC in der Verbandsliga gespielt, das liegt aber auch schon zwei Jahre oder sogar länger zurück.
In den Gazetten stand auch zu lesen, dass einige leitende Hertha-Angestellte ihre Hausaufgaben nicht gewissenhaft erledigt hätten. Bei Ronny hätte man sich den Laktattest jedenfalls sparen können, das sah allzu offensichtlich nach WM-Frustsaufen an der Copa Cabana aus. Insgesamt sollen sogar 13 Spieler geschlampt haben, weshalb Übungsleiter Babbel jetzt in die Rolle des Zuchtmeisters geschlüpft ist, Straftraining für alle angesetzt und Kondi-Coach Schünemann zu den Amateuren weggelobt hat. So etwas kommt beim Volk immer gut an, wenn die hochbezahlten Herren mal so richtig rangenommen werden. Peitschenmann, ick hör dir knallen.

Auch bei mir hat Babbel damit wieder ein paar Punkte gutgemacht. Als seine Verpflichtung bekannt wurde, war ich nämlich erst mal nicht so begeistert von dem Mann. Der wurde mir zu sehr als Jungdynamo vermarktet, wie soll so einer die alte Hertha-Schaluppe sicher durch die Zweitligaknochenmühle geleiten, habe ich mir gedacht. Und wie kommt so ein Ur-Bayer mit den hiesigen berlintümelnden Schreibtischtätern klar?
Seine Inthronisation und besonders die anschließende Krönungsrede, das hat dann schon eine Menge Zuversicht geweckt und, ich gebe es zu, hat einem nach Anerkennung lechzenden Anhänger wie mir auch ein bissel geschmeichelt. Ich lass mich schließlich auch leidenschaftlich gerne begeistern und – besonders wenn es um Hertha geht – schenke jeder goldenen Zukunftsmalerei, die man mir vorbetet, meinen uneingeschränkten Glauben. Zudem hatten mich die positiven Reaktionen aus der Mannschaft (geheuchelt oder nicht) sowie die ersten Neuverpflichtungen überzeugt.
Ein 11-Freunde-Gespräch mit Thomas Hitzlsperger hat mich dann wieder zweifeln lassen. In dem Interview gibt Hitzl ein paar Anekdötchen aus der letzten Saison beim Schwabmatenverein preis, u. a. wie ihm Babbel aus zweifelhaftem Aktionismus die Binde abnahm und auch in anderen Situationen nicht besonders souverän agierte. Außerdem wird die Mär von der „führungslose-Mannschaft-wegen-Abwesenheit-Trainerlehrgang" ein wenig in Frage gestellt. Jungtrainerlektionen, na klar, außerdem ist es natürlich nur die subjektive Sicht von Mr. Hammer. Aber Sportsfreund Hitz traue ich eine gewisse Reife und genügend Selbstreflexion zu, um nicht völlig geistlos und beleidigt daherzuquaken. Nachdem Kollege Hitzlsperger also solcherart Zweifel gesät hatte, konnte Peitschenmann Babbel diese vorerst wieder entkräften. Vorerst steht es 1:1. Das ist noch kein Ruhekissen, Herr Babbel.
8) :S :P

Posted by egmonte on 11 Jul 2010 at 15:05
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:) :( :D :S 8) :\'( :@ :O :P
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